Besuch KZ Dachau

News

WG

Ausflugsbericht – Dachau

Das ehemalige Konzentrationslager in Dachau bei München war unser Ziel. Dafür trafen sich ungefähr 70 Schüler/innen der Klassenstufe WG 11 und vier Lehrer/innen um 7:30 Uhr an der Bushaltestelle der Andreas-Schneider-Schule. Nachdem alle im modern ausgestatteten Doppeldeckerbus platzgenommen hatten, ging die Fahrt um circa 7:45 Uhr los. Auf dem Hinweg waren alle noch sehr müde und es war dementsprechend leise im Bus. Leider sind wir direkt in einen Stau geraten und daher dauerte die Fahrt mit einer kurzen Pause vier Stunden. Nach der Ankunft haben wir uns aufgeteilt und sind im Klassenverbund 11 a, b und c mit unseren Lehrern losgegangen. Als wir dann den richtigen Weg gefunden hatten, standen wir auch schon vor dem Tor des Konzentrationslagers. Die dicken, hohen Mauern, die das KZ umrandeten, waren sehr eindrucksvoll. Frau Hack, unsere Geschichtslehrerin, hat uns aufgetragen, kleine Kurzpräsentationen, die circa 5 Minuten lang gehen sollten, vorzubereiten. Also gesagt, getan. Den Anfang machten Paula und ich vor dem KZ mit dem Thema „Einlieferungsprozess“. Nach unserer Präsentation gingen wir durch das Tor, auf welchem die berühmten drei Worte „Arbeit macht frei“ standen. Wir gelangten auf den Appellplatz, für den Leonardo etwas vorbereitet hatte. Er erzählte uns, wie die Häftlinge nacheinander aufgerufen wurden, stundenlang still dastehen mussten und welche Strafen es für Vergehen gab. Das erschütterte uns alle ziemlich, da man sich so etwas kaum vorstellen konnte. Danach begaben wir uns in das Lagergefängnis. Das ganze Gebäude bestand nur aus Zellen. Teilweise waren diese für sogenannte Sonderhäftlinge oder geistliche Häftlinge. Es gab sogar einen Altarraum, welchen aber nur eben die geistlichen Häftlinge benutzen durften. In den meisten Zellen gab es nur kleine oder keine Fenster. An den Wänden waren auch Berichte aufgehangen von Inhaftierten. Sie erzählten davon, wie sie monatelang im Dunkeln waren, nur jeden vierten Tag etwas Warmes zu essen bekamen und kaum Kontakt zu anderen hatten. Unvorstellbar für uns. Nachdem wir uns alles angeschaut hatten, machten wir uns auf den Weg zu der Ausstellung. Dort gab es viele Einblicke in verschiedene Bereiche, welche alle sehr interessant waren. Auch wurden weitere Präsentationen gehalten: über die Ernährung, die Befreiung, den Alltag und das Leben im KZ sowie den Häftling David Ludwig Bloch. Alle Präsentationen waren gut vorbereitet und sehr informativ. Wir haben ungefähr eine halbe Stunde in der Ausstellung verbracht. Dort konnte man Dokumente oder Besitztümer der Häftlinge sehen, welche die Nazis angelegt beziehungsweise beschlagnahmt hatten. Meistens gab es zu den Besitzern auch eine kurze Beschreibung. Generell fand ich die Ausstellung in Kombination mit den Präsentationen sehr lehrreich. Außerhalb des Gebäudes machten wir eine kurze Pause im Schatten, weil es wegen der hohen Temperaturen doch sehr kräftezehrend war. Dann berichtete uns Esra von den Lagerbordellen, von denen ich nicht einmal wusste, dass es sowas gab. Gentiana und Lea erzählten über den Häftling Franz Brückl. Die Baracken waren danach unser nächster Stopp. Von außen sah das Gebäude aus, wie jedes andere eigentlich auch. Als wir reingelaufen sind, waren dort die „Betten“. Es waren Holzgestelle ohne Matratze. Auch waren sie viel zu klein, als dass dort ein Mensch ausgestreckt reinpassen würde. Schränke gab es auch keine, sondern nur offene Regale. Hinten im Gebäude waren dann die Toiletten. Es gab keine Kabinen oder anderen Sichtschutz. Die Privatsphäre war gleich Null in den Baracken. Es war unvorstellbar, dass dort wirklich Leute leben mussten. Im Anschluss gingen wir zu den Fundamenten der ehemaligen Baracken. Die hinteren drei waren ausschließlich für die geistlichen Häftlingen, wie Patrick und Maxi uns in ihrer Präsentation erzählten. Sie waren die Einzigen, die beten durften. Das war aber auch der einzige Unterschied zu den restlichen Häftlingen. Nun sind wir zu dem etwas weiter entfernten Krematorium gelaufen. Ich fand es sehr erschütternd. Zu jedem Raum gab es eine Beschreibung. Zuerst kamen wir in den Entkleidungsraum, in dem die Häftlinge sich ausziehen und ihre Sachen liegen lassen mussten. Danach kam man auch schon durch eine Tür, über der „Brausebad“ stand, die in die Gaskammern führten. Die Decken waren ziemlich niedrig und wir konnten noch die Schächte sehen, in die die Gasbehälter geworfen wurden. Im nächsten Raum waren dann die Verbrennungsöfen. An den Wänden stand sogar, dass die Menschen vor den Öfen erhängt und danach direkt verbrannt wurden. Im letzten Raum wurden die Leichen gelagert. Wir wollten uns den Gestank gar nicht vorstellen. Man konnte an den Wänden Bildern sehen, die Berge von Leichen zeigten. Das Krematorium hat uns alle ziemlich mitgenommen und die Stimmung war anschließend gedrückt. Wir haben uns dann gemeinsam mit Herrn Faul und Frau Hack hingesetzt und über unseren Ausflug geredet. Darüber, wie es uns geht und was wir über all das denken. Wir alle fanden den Ausflug sehr wichtig und finden, dass jeder einmal ein KZ besichtigen sollte. Es war gut, dass wir nochmal darüber geredet haben, denn ich fand, dann konnte man es besser verarbeiten und damit umgehen. Gegen 15 Uhr trafen sich alle Klassen wieder beim Bus und wir machten uns auf den Rückweg. Nach einer Pause bei McDonald‘s waren wir gegen 19:15 Uhr zurück in Böckingen.

Es war ein lehrreicher, aber dennoch anstrengender Tag. Ich würde den Ausflug jederzeit wiederholen!

Carola Becker, WG11C