Praxisnäher unterrichten
Nehmen wir einmal an, ein Kunde schickt eine Anfrage wegen 300 Skateboards an die Firma Funsport. Da reicht es nicht, wenn der Verkauf einfach zurückschreibt, das klappt schon. Er muss erst beim Einkauf wegen der Einzelteile, in der Buchhaltung wegen der Kreditwürdigkeit des Kunden und im Lager wegen des Bestandes nachfragen, um ein seriöses Angebot zu erstellen. Eine knifflige Sache. Genau so soll künftig der Unterricht an der Andreas-Schneider-Schule, der kaufmännischen Schule des Landkreises Heilbronn aussehen − möglichst praxisnah. Was auf ihre Lehrlinge zukommt, lernten die Ausbilder von rund 70 Betrieben am Freitag bei einer Ausbilderversammlung für die Bereiche Industrie und Lager kennen.
Neue Lehrpläne
Das Ganze nennt sich Lernfeldunterricht und entspricht den neuen
Lehrplänen für kaufmännische Berufsschulen. "Bisher stand reines
Fachwissen im Vordergrund, isoliert und ohne Anwendungsbezug", erläutert
Theodor Götz, Leiter der Abteilung drei, die Veränderungen. Dadurch
hatten die Schüler häufig Schwierigkeiten, ihr Wissen in ihren Betrieben
auch umzusetzen, denn bloß weil man die Definition für einen Begriff
kenne, könne man ihn noch lange nicht einsetzen, so der
Abteilungsleiter.
Das soll nun anders werden. Der Kompetenzerwerb wird in den Vordergrund gerückt. Der Lehrer wird vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter, der die nötigen Lernfelder erschafft, in denen sich die Schüler ihre Fach-, Personal- und Sozialkompetenz selber aneignen. "Dadurch soll der Schüler in betrieblichen Situationen besser zurecht kommen." Je nach Situation kann die Entscheidung anders ausfallen, und es gibt je nach Kunde eine andere Lösung, auch mehrere, für die gleiche Aufgabenstellung. Ganz klares Problem für die Schüler: Wer nicht mitmacht, lernt auch nichts. Jürgen Schmidt von MS Motor Service in Neuenstadt hält die Änderungen für die Zukunft richtig.
"Aber einige Lehrlinge werden damit große Probleme haben, gerade die, die es nicht gewohnt sind, im Team zu arbeiten und lieber auswendig lernen", überlegt er. Für die kommunikativeren unter ihnen sei es dafür optimal. Bettina Kerner von der A. Landerer GmbH in Neuenstadt stimmt ihm da zu. "Doch für die betriebliche Ausbildung wird sich nichts verändern." Ein bisschen schon, zumindest wenn es nach der ASS geht.
Aufwendig
Denn die Erstellung der Lernfelder ist für die Lehrer nicht nur
aufwendig, es ist auch schwierig, sie realistisch darzustellen. Da
sollen die Betriebe ins Spiel kommen. Entweder können sie sich unter dem
Motto "Schule trifft Praxis" für Besuche öffnen oder unter "Praxis
trifft Schule" realistische Zahlen, Zeichnungen und Unterlagen zur
Verfügung stellen, die dann für den Unterricht modifiziert werden.
Bericht der Heilbronner Stimme vom 09. Juli 2011 (von Stefanie Pfäffle)



