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Lerntag der Klassen BKFH3 / BK1A in der ehemaligen Synagoge Freudental

Synagoge Freudental:

Die erste Synagoge in Freudental wurde um 1735/38 erbaut. Diese Synagoge befand sich wahrscheinlich in einem Gebäude, das über dem Keller zwischen Judenschlösschen und dem Treppenturm stand (d. h. im heutigen Synagogenhof). 1750 wurde die Synagoge erweitert. Zwanzig Jahre später musste die Synagoge durch einen größeren Bau ersetzt werden.

Die neue Synagoge wurde im südlich an die erste Synagoge angrenzenden Garten errichtet. Beim Bau orientierte sich die Gemeinde am Baustil der Hugenotten-kirchen (1), der in ganz Deutschland bei zahlreichen jüdischen Gemeinden Nachahmung fand. (z.B. Synagoge Gröbzig, Sachsen-Anhalt). 1926 wurde die Synagoge unter Denkmalschutz gestellt.

Eva_Kassewitz_de_Vilar Bis 1938 diente das Gebäude der jüdischen Gemeinde für ihren Gottesdienst. Am 10. November 1938 (2) wurde die Inneneinrichtung der Synagoge von SA und SS-Leuten völlig zerstört. Zudem wurde Feuer gelegt, das jedoch auf Einspruch der Nachbarn, die eine Übergreifung der Flammen auf ihre Häuser befürchteten, wieder gelöscht wurde. Die zusammen getriebenen Juden wurden gezwungen, die Kultur- und Einrichtungsgegenstände der Synagoge auf einen Wagen zu laden. Auf dem Freudentaler Sportplatz wurden die Gegenstände alle verbrannt.

Seit Kriegsbeginn wurde die Synagoge von der bürgerlichen Gemeinde als Sport und Lagerhalle benützt. Im September 1949 musste das Synagogengebäude an die jüdische Gemeinde Stuttgart zurückgegeben werden.

Diese verkaufte es 1954 wieder an die Gemeinde Freudental, die es 1955 an einen Handwerksbetrieb veräußerte. 1979 wurde die Synagoge baufällig und sollte abgerissen werden. Ein "Förder- und Trägerverein ehemalige Synagoge Freudental e. V. wurde gegründet. Das Ziel war, die Synagoge zu erhalten und sinnvoll zu nutzen. 1981 kaufe der Verein die Synagoge für 110.000,00 DM dem bisherigen Besitzer ab.

Bei der Restaurierung wurde im Dachstuhl eine Genisa (3), zahlreiche wertvolle Gegenstände und Schriften gefunden, darunter eine Tora, Gebetsriemen und jüdische Kalender (4).

Nicht nur die Synagoge, die als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung gilt, wurde restauriert. Im Nebengebäude wurden 24 Übernachtungsmöglichkeiten, Einzel- und Zweibettzimmern, dazu Seminarräume und ein Kommunikationsraum im großen Gewölbekeller eingerichtet. Am 17. Januar 1985 konnte das Gebäude als "Pädagogisch-kulturelles Centrum ehemalige Synagoge Freudental e. V." eingeweiht werden.

Heute hat das PKC wissenschaftliche, pädagogische und kulturelle Aufgaben. In den letzten 16 Jahren haben mehr als hunderttausend Personen die vielfältigen Angebote wahrgenommen.

Wissenschaft:

Forschungsstätte und Lernort zur Geschichte der deutschen Landjuden.

Pädagogik:

Studien und Lehrprogramme für Jugendliche und Lehrer. (Erwachsenenbildung) Öffentliche Vorträge, Seminare und Lerntage zu Themen der jüdischen Geschichte und zur Stärkung demokratischer Kultur bei jungen Menschen. Projekttage Jugend für Toleranz und Demokratie Internationale Begegnung von Schülern und Lehrern.

Kultur:

Autorenlesungen, Vorträge, Ausstellungen

(1) Hugenotten: Anhänger des Calvinismus in Frankreich

(2) 10. November 1938: über 30.000 männliche Juden kamen in die Konzentrationslager.

(3) Genisa: Aufbewahrungsort ausgedienter Schriften

(4) Der jüdische Kalender ist ein Linuskalender. Die Monate sind wie bei einfachen Mondkalendern an den Mondphasen ausgerichtet, es existiert jedoch gleichzeitig eine Schaltregel zum Ausgleich an das Sonnenjahr.

Natalia Ring, Julia Seidel, BKFH3